Heisst dein Hund "nein"?
- Nathalie Myncke

- 27. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt unzählige Situationen im Alltag mit einem Welpen, in denen wir automatisch reagieren.
Der Welpe spielt mit dem Hosenbein, schnappt sich einen Hausschuh oder kaut auf etwas herum, das wir eigentlich gerne heil behalten würden. Oft kommt dann fast reflexartig ein «Nein».
Ich ertappe mich auch heute noch manchmal dabei. Der Unterschied ist nur: Bevor ich etwas sage, stelle ich mir zuerst zwei Fragen.
Kennt der Hund oder Welpe das Wort und dessen Bedeutung überhaupt, das ich gerade benutzen möchte?
Braucht es in diesem Moment überhaupt ein Wort?
Nehmen wir als Beispiel einen Welpen, der gerade mit deinem Hosenbein spielt. Viele Menschen sagen «Nein» und schieben den Welpen gleichzeitig sanft weg. Das machen wir ganz automatisch und völlig ohne böse Absicht.
Für uns Menschen ist die Situation klar. «Nein» bedeutet: Hör bitte auf damit.
Für einen Welpen sieht die Welt jedoch etwas anders aus!
Wenn er das Wort «Nein» noch nie gelernt hat, weiss er schlicht nicht, was dieses Wort bedeutet. Oder er hat es vielleicht einfach gar nicht wahrgenommen. Was er aber sehr wohl bemerkt, ist, dass plötzlich etwas passiert. Du sprichst mit ihm -> Es entsteht Interaktion.
Aus seiner Sicht könnte das genauso gut heissen:
«Cool! Wir sind im Gespräch!»
Auch das Wegschieben wird häufig anders wahrgenommen, als wir es meinen. Während wir denken, wir würden den Welpen vom Hosenbein wegbringen, könnte er sich genauso gut denken:
«Oh, wir spielen zusammen!»
Das bedeutet nicht, dass jeder Welpe jedes Wegschieben automatisch als Spiel versteht. Es bedeutet auch nicht, dass man niemals «Nein» sagen darf. Es lohnt sich einfach, sich bewusst zu machen, was beim Welpen tatsächlich ankommt und was wir eigentlich erreichen möchten.
Ja toll ... Aber was soll man dann machen?
Ich mache es so:
Ich sage gar nichts und mache keinen Ton.
Ich schiebe den Welpen auch nicht weg.
Ich nehme einfach ein anderes Spielzeug oder einen anderen Gegenstand und mache genau dieses Spielzeug spannend. Ich bewege es ein wenig, spiele selbst kurz damit oder wecke einfach die Neugier meines Welpen. In vielen Fällen entscheidet er sich von selbst dafür.
Warum?
Weil Welpen Alzheimer haben. 😄
Nein, natürlich nicht. Aber sie lassen sich unglaublich schnell ablenken und vergessen oft genauso schnell wieder, womit sie gerade beschäftigt waren.
Und weil ein Hund nicht so denkt wie wir Menschen. Er denkt nicht:
«Ja, aber ... Eigentlich war ich gerade mit dem Hosenbein beschäftigt.»
Oder:
«Jetzt habe ich verstanden, dass ich lieber das Spielzeug nehmen sollte.»
So funktioniert Lernen für einen Hund nicht.
Er erlebt einfach, dass das Spielzeug spannend ist. Dass es Spass macht. Dass sich damit etwas Schönes entwickelt.
Und genau diese Erfahrung nimmt er mit.
Je länger ich Hunde beobachte, desto mehr versuche ich deshalb, ihnen zu zeigen, was ich gerne sehen möchte, anstatt ihnen ständig erklären zu wollen, was alles nicht erwünscht ist.
Natürlich gibt es Situationen, in denen wir eingreifen müssen. Sicherheit steht immer an erster Stelle. Wenn ein Welpe etwas Gefährliches ins Maul nimmt oder sich selbst in Gefahr bringt, handeln wir selbstverständlich.
Im ganz normalen Alltag entdecke ich aber unglaublich viele Momente, in denen ich meinem Welpen einfach zeigen kann, welche Alternative sich lohnt.
Das fühlt sich wirklich auch für dich viel entspannter an und der Welpe lernt entspannter und schneller.
Deshalb möchte ich dich zu einem kleinen Experiment einladen.
Beobachte dich in den nächsten Tagen ganz bewusst.
Wie oft möchtest du deinem Welpen erklären, was er alles nicht tun soll?
Und wie oft könntest du ihm stattdessen zeigen, was eine gute Idee ist?
Vielleicht merkst du schon nach wenigen Tagen einen Unterschied.
Ist dein Welpe fröhlicher?
Wirkt er zufriedener? Weniger aufgeregt?
Entdeckt er immer mehr Dinge, mit denen er sich sinnvoll beschäftigen kann?
Oder glaubst du immer noch, dass es sinnvoll ist, dass ein Welpe zuerst lernen muss, was alles falsch ist, bevor er lernen kann, was richtig ist?
Ich finde diese Frage unglaublich spannend und freue mich immer, wenn ihr eure Erfahrungen, Fragen oder Gedanken mit mir teilt.
Vielleicht probierst du es einfach einmal aus und erzählst mir, wie es euch dabei geht. Das würde mich sehr freuen! :)




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